Internationaler Zugvogeltag 2020

Am 4. Oktober war Internationaler Zugvogeltag, an welchem unser Verein mit einem Infostand auf dem Allerheiligenberg teilnahm. Zusammen mit dem Ornithologischen Verein Hägendorf und vielen interessierten Besuchern haben wir die Zugvögel auf ihrem Weg Richtung Süden beobachtet und gezählt.
Die Sonne meinte es unerwartet gut und bescherte uns viele Zugvögel am Himmel und 40 interessierte Besucher am Stand. Insgesamt zählten wir von 10-16 Uhr 1052 Vögel, aufgeteilt in 18 Arten. Spitzenreiter waren dieses Jahr die Buchfinken, der häufigste Vogel überhaupt in der Schweiz. In grösseren und kleineren Trupps zogen 928 von ihnen v.a. am früheren Vormittag über den Himmel. Erlenzeisige, Mäusebussarde, Rotmilane waren zahlreich und sogar drei Sperber folgen vorbei. Auch die Schwalben und die Stare sind jetzt am Aufbrechen. Wünschen wir allen eine gute Reise!
Bilder gibt's in der Galerie: https://www.nvv-wangenbo.ch/galerie
Abflugsplan unserer Zugvögel im Herbst: Abflug_gelb.pdf


Faszination Zugvögel

Keine Minute, ohne dass irgendwo rund um den Erdball Zugvögel unterwegs sind. Weltweit jährlich rund 50 Milliarden! Den Vogelzug gibt es wahrscheinlich seit es Vögel gibt, beeinflusst durch die Verschiebung der Kontinente und die vielen Klimaveränderungen.

Starenformation
Starenformation am Himmel

Vogelzug in der Schweiz
Bereits Mitte Februar kehren die ersten Vogelarten wie z.B. der Star aus ihrem Überwinterungsgebiet zu uns zurück. Der Höhepunkt wird im April erreicht. Die letzten Arten wie der Pirol treffen im Mai ein. Bereits Mitte Juli fliegen die Mauersegler wieder zurück, währenddessen die meisten anderen Arten erst zwischen Mitte August und Oktober losfliegen. Viele Kurzstreckenzieher (z.B. Saatkrähen) fliegen sogar erst im November südwärts, wenn das Wetter zu kalt wird.

Wieso ziehen die Vögel überhaupt?
Die Klimaveränderungen ermöglichten es vielen Vogelarten, sich nach Norden hin auszubreiten, wo sie genügend Futter, geringeren Dichtestress und somit auch weniger Konkurrenz und Feinde vorfinden. Nahrungsmangel im Winter zwingt die Vögel aber, jedes Jahr wieder Richtung Süden zu fliegen.

Unterschiedliche Arten von Zugvögeln
Langstreckenzieher: überwintern südlich der Sahara, z.B. Rauchschwalben
Kurzstreckenzieher: überwintern nördlich der Sahara, z.B. Rotkehlchen
Teilzieher: hier fliegen v.a. die Weibchen und Jungvögel Richtung Süden. Die Männchen bleiben mehrheitlich bei uns, um im Frühling rechtzeitig die besten Brutreviere besetzen zu können, z.B. Buchfinken
Standvögel: diese Vögel bleiben das ganze Jahr in ihrem Brutgebiet, z.B. Amseln
Der Zug in den Süden dauert zwischen 3-4 Monate, der Rückflug auf direktem Weg nur rund die Hälfte.

Rotkehlchen PJ IMG 0086 1
Das Rotkehlchen ist ein Kurzstreckenzeiher.

Was bestimmt den Zeitpunkt des Wegflugs?
Das Verhältnis von Tages- und Nachtlänge löst bei den Vögeln die Produktion von Hormonen im Körper aus. Dadurch wird der Vogel unruhiger und nimmt vermehrt Nahrung auf. Diese wird in Fett umgesetzt und dient als Energiereserve für den langen Flug nach Süden. Kurzstreckenzieher nehmen dabei um 13-15% zu, Langstreckenzieher bis zu 100%. Grosse Vögel wie der Schwarzmilan legen weniger Gewicht zu. Sie würden sonst zu schwer für den Flug, kompensieren dies aber mit einer besseren Muskelleistung. Nichts desto trotz brauchen die meisten Vögel auf ihrem Weg einen Zwischenstopp, um ihre Fettreserven aufzuladen.

Nach tausenden von Kilometern den Brutplatz wieder finden… Wie geht denn das?
Viele Vögel haben ein genetisch bestimmtes Zugprogramm und kennen den Weg instinktiv. Zielgenau erreicht der junge Kuckuck im Alleinflug sein Sommerquartier. Andere Arten fliegen im Schwarm und lassen sich von den erfahrenen Altvögeln leiten. Sonne, Sterne und Erdmagnetfelder zeigen ihnen die Richtung. Zusätzlich orientieren sie sich an markanten topographischen Landmarken wie Berge, Flüsse oder Küsten. Ein innerer Kompass hilft zusätzlich, das genaue Ziel zu finden.

Natürliche und menschliche Bedrohungen
Wenn der Vogel bereits beim Wegzug geschwächt ist, sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Zug sehr schlecht. Zusätzlich können Gebirge, Stürme, Witterungseinbrüche oder Nahrungsmangel durch Dürre die Tiere unterwegs gefährden. Ein grosses Problem ist aber auch die zunehmende Bedrohung durch uns Menschen. Lebensraumzerstörung im Brut- und Überwinterungsgebiet oder bei Rastplätzen, Siedlungswachstum, Intensivierung der Bewirtschaftung, Entwässerungen von ganzen Feuchtgebieten, starke Lichtquellen oder Stromleitungen und der Einsatz von Herbiziden zerstören Lebensräume und schränken das Nahrungsangebot ein. V.a. im Mittelmeerraum und Afrika fallen Millionen von Vögeln dem Vogelfang und der Jagd zum Opfer.

Rekorde in der Vogelwelt

Pfuhlschnepfe
Sie hält den Rekord im Nonstop-Flug: die Pfuhlschnepfe

Der Weltrekord im Nonstop-Flug wurde dieses Jahr gebrochen! Mitte September hat sich eine Pfuhlschnepfe in Alaska auf den Weg gemacht, um neun Tage später in Neuseeland zu landen. Sie war 224h ohne Zwischenlandung unterwegs und flog dabei 12.200 km!
Der Himalaya mit Höhen bis zu 8500m wird regelmässig von Enten und Gänsen überquert. Die Küstenseeschwalbe legt jährlich 35‘000-40‘000km zurück. Rekordhalter ist der dunkle Sturmtaucher, der jedes Jahr während 6 Monaten rund 64‘000km über das Meer zieht! Leistungen, von denen wir Menschen nur träumen können!

Quelle: birdlife.ch

Kontakt NVVW:
Verena Schenk-Leu, Schmiedgasse 11, 4612 Wangen bei Olten, 062 212 42 89